Der „Rolls Royce des Roussillon“

Seit langem hatte ich mir bereits vorgenommen, das Roussillon einmal zu besuchen. Jetzt war es endlich soweit. Mein Ziel war heute die Prestige-Domaine des Roussillon schlechthin: Domaine Cazes. Malerisch gelegen am Rande der schneebedeckten Pyrenäengipfel einerseits und andererseits unweit vom Mittelmeer, so dass immer eine frische Meeresbrise die Rebstöcke umweht. Überhaupt ist es die wohl windigste, aber auch sonnigste und daher trockenste Gegend Frankreichs. [caption id="" align="alignleft" width="200" caption="Lionel (r.) und ich vor der Domaine Cazes"]Lionel (r.) und ich vor der Domaine Cazes[/caption] Ich wurde sehr herzlich und gleich mit guten Weinen von Exportmanager Lionel empfangen. Eigentlich ist das Roussillon ein typisches Süßwein-Gebiet. Zur Zeit seines Großvaters wurde hier hauptsächlich Süßwein hergestellt. Erst seit einigen Jahren beginnt man die Trauben auch trocken auszubauen und das mit großem Erfolg. Die Domaine ist gleichzeitig das größte biodynamische Weingut der Welt. Biodynamisch arbeiten weltweit nur wenige Weingüter, wie Romanée Conti, Angélus oder Pingus in Spanien, deren Weine mit bis zu 300 Euro pro Flasche gehandelt werden. Auf Domaine Cazes ist ein biodynamischer Wein hingegen für jeden erschwinglich. Das ist ihre Philosophie. Denn Biodynamie ist letztlich nur eine Art Weinbau, wie man sie schon vor Hunderten von Jahren betrieben hat. Lionel erklärt mir, dass die Weinberge zum Beispiel nur in günstigen Mondphasen bearbeitet werden, um das Unkraut soweit wie möglich natürlich im Griff zu haben. Auch gegen Schädlinge werden bewusst natürliche Feinde genutzt. So frisst eine einzige Fledermaus bis zu 3 kg schädliche Spinnen im Jahr. Auch werden teilweise bewusst Reben durch Bäume oder wilde Grünflächen ersetzt, da die sich ansiedelnden Tiere den Boden für die Reben günstig beeinflussen. Gedüngt wird vom Weinmacher Bernard Cazes auf natürliche Weise mit Teesud von Brennesseln oder Weidenblättern. So steht er denn wie der Druide aus Astérix am großen Teekessel und rührt den Tee um. Das finde ich alles sehr beeindruckend. Den ersten Abend habe ich mit Lionel an seinem Lieblingsort, in Collioure verbracht, einem romantischen Fischerörtchen direkt am Mittelmeer mit Blick in die saftig grünen Weinberge. Gleich nebenan befindet sich übrigens Banyuls. Hier reichen die Weinberge bis direkt ans Meer. Dort, wo anderswo Hotels und Restaurants sich ausgebreitet haben, sind hier weit und breit nur Weinberge. In einem traumhaft gelegenen Restaurant direkt am Hafen lädt mich Lionel zu Loup de Mer, Anchovis, der Spezialität von Collioure und leckerem südfranzösischem spanischen Schinken à la Pata Negra ein. Als Slow Food Präsident der Region kennt er sich aus und die kleinen Erzeuger oft persönlich. Es war einfach herrlich! Kein Wunder, dass Lionel keine zehn Pferde von hier wegbringen können, zumal als waschechten Katalanen. Dafür schlägt er auch schon mal einen aussichtsreichen Posten in China aus.
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