Interview mit unserem Whisky-Experten Jens Fahr

Hallo Jens! Wie bist du eigentlich zum Whisky gekommen?

Jens: Hallo! Das war noch zu DDR-Zeiten im Jugendclub Nord. Ich hatte dort eine gastronomische Aufgabe übernommen und kam zum ersten Mal mit dem DDR-Whisky "Falckner" in Verbindung. Der wurde damals in der Spirituosenfabrik Gebrüder Falckenthal in Luckenwalde hergestellt. Das muss so um 1985/86 gewesen sein. [caption id="" align="alignleft" width="278" caption="Jens Fahr"]Jens Fahr[/caption]

Wie ging es dann weiter?

Jens: Nach der Wende habe ich 1993 eine Kneipe aufgemacht. Das Grundsortiment des Jugendclubs habe ich einfach übernommen. Durch einen dummen Zufall entdeckte ich dabei eine unabhängige Füllung, einen Gordon McPhail für damals 29,- DM. In der Kneipe hatte ich ein schönes Einstiegssortiment, bestehend aus den klassischen Lowlands, Highlands und Isles. Denn Whisky ist mehr als Jim, Jack und John. (lacht)

Wie ist dein Grundinteresse dann professionell geworden?

Jens: Das ist gewachsen, so nach 4 oder 5 Tastings. Jetzt mache ich die Tastings selber, thematisch. Sonst hat man keine wirklichen Vergleichsmöglichkeiten.

Wie meinst du thematisch?

Jens: Na, ich wähle die Whiskys regional, nach einzelnen Destillen oder ich vergleiche Originalabfüllung und fassstarke Abfüllung. Eine vertikale Verkostung bedeutet, dass ich Whiskys mit dem gleichen Alter von unterschiedlichen Abfüllern vergleiche. Und horizontal dann halt umgekehrt, also unterschiedliche Jahrgänge vom gleichen Abfüller.

Was macht Whisky für dich so anziehend?

Jens: Vor allem die gigantische Vielfalt der Aromen und Sinneseindrücke. Oft ist auch der Genuss eines guten Whiskys mit einer Reise in die persönliche Vergangenheit verbunden, er weckt schöne Erinnerungen. Das Zusammenspiel von Geschmack und Geruch ist wie eine Entdeckung des inneren Selbsts.

Hast du diese Whisky-Sprache selbst entwickelt?

Jens: Ich denke schon. Die deutsche Sprache ist sehr arm an Attributen, um Gerüche wiederzugeben. Wenn man mehr sagen will als „das riecht gut“ und „das riecht schlecht“, kann man nur sagen „es riecht wie irgendetwas“. Vergleiche aus der Kindheit und Erinnerungen helfen da.

Wie oft warst du schon in Schottland?

Jens: Bis jetzt leider nur einmal in Schottland und einmal in Irland. Aber nächstes Jahr im Frühjahr 2010 werde ich noch einmal Schottland besuchen.

Was bevorzugst du an Whiskys?

Jens: Auf jeden Fall schottische. Dabei lehne ich aber keine spezielle Region ab, ich möchte keine davon missen. Je nach Stimmung geht die Tendenz aber mal in die eine oder andere Richtung.

Entschuldige die direkte Frage, aber wie oft trinkst du?

Jens: Das sind so zwei bis drei Gläser die Woche. Aber eigentlich bin ich weniger ein Whisky-Trinker, sondern ein Whisky-Riecher. Trinken ist so gesehen nur die Endkontrolle, ob der Whisky so schmeckt, wie er es "vorgegaukelt" hat. Der Duft ist ja der erste und intensivere Eindruck. Ich habe fast alle 750 Sorten, die ich besitze, selbst verkostet. Mein teuerster Whisky ist der 1940er Glenlivit für 1200 Euro. Den würde ich aber nie aufmachen. Der ist ein Sammlerobjekt.

Was muss man beim Genuss beachten?

Jens: Whisky kann man – anders als Wein - nach Öffnung lange lagern. Man muss ihn nur einmal im Jahr umdrehen, damit der Korken feucht bleibt. Er verliert über die Jahre nur an Alkohol, ändert aber nicht seine Aromen und wird dadurch nicht besser oder schlechter. Ein kleiner Tipp: Wenn ein Whisky lange offen war, kann man ihn durch zwei bis drei Tropfen Wasser wieder beleben. Man sagt auch: "Wasser schließt die Aromen auf".

Passen Whisky und Essen zusammen und wenn ja, wie?

Jens: Nicht in dem Sinn wie man Wein zum Essen trinkt. Als Aperitif ist er aber geeignet. Meine Empfehlung wäre ein leicht salziger Küsten-Highland. Auch zum Dessert kann man Whisky trinken, besonders den rauchigen. Selbstverständlich können ein paar Schluck im Essen beim Kochen nicht schaden. Aber Vorsicht bei zu intensiven Whiskys, die dann die anderen Aromen überdecken können.

Welche Gläser sollte man verwenden?

Jens: Am besten sind Nosing-Gläser. Die sehen ähnlich aus wie Sherry-Gläser. Sie halten den Whisky, also sein Aroma fest. Weil er – ähnlich wie Wein – atmen muss, sollte er 10-20 min dekantiert werden. Deshalb werden die Gläser auch einige Zeit vor dem Tasting gefüllt und der Whisky hat dann 18-20 °C.

Du veranstaltest Whisky-Tastings. Wie muss man sich das vorstellen?

Jens: Es nehmen normalerweise 8-20 Personen teil. Meistens verkosten wir dann zusammen sechs Whiskys. Das Ganze dauert so 2-3 Stunden. Ich sage immer gern, dass wir uns in ein Zwiegespräch mit dem Whisky begeben.

Dein Whisky-Stübchen ist auch ausgezeichnet worden, nicht wahr?

Jens: Ja. 2008 war mein Whisky-Stübchen die erste Whisky-Bar, die die Auszeichnung "Beste Whisky-Bar Deutschlands" erhalten hat. Verliehen wurde die Auszeichnung vom Mercussini [ein Gourmetführer. A.d.R.]. Sie haben 75 Whisky-Bars getestet nach den Kriterien Anzahl und Präsentation der Whiskys, Veranstaltungen und Fachkompetenz. Besonders meine Barkarte mit den ausführlichen Notizen und die Tastings waren ausschlaggebend, dass ich den Preis gewonnen habe. Dann danke ich dir für das Gespräch, Jens.
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