Interview: 15 Jahre ebrosia mit Rüdiger Kleinke

Wie alles begann: 1. Was hast Du vorher gemacht? Welchen Beruf hast Du vorher ausgeübt? Von Hause aus bin ich Lehrer für Mathematik und Physik. Nach der Wende 1990 habe ich eine Ausbildung bei einer Bank begonnen und dann fast 10 Jahre als Betreuer von mittelständischen Firmen gearbeitet. 2.Schlüsselmoment – wann und wie kamst Du zum Wein? Warum gerade Wein? Es war etwa 1996. Während meiner Arbeit bei der Bank nahm ich an vielen Geschäftsessen teil. Ich erkannte, dass man bei seinen Geschäftspartnern einen sehr guten Eindruck hinterlassen konnte, wenn man über ein gutes Weinwissen verfügt. Ich kaufte mir ein Weinbuch und die Geschichte nahm ihren Lauf. 3. Die Idee – wie sah das ursprüngliche Konzept aus, wie war die Zielstellung und wer hat Dich besonders inspiriert (beeinflusst)? Durch meine Arbeit hatte ich viel Kontakt zu verschiedenen Internetfirmen. Es entstand die Idee einen eigenen Shop – einen „allumfassenden Genusstempel“ mit allen möglichen kulinarischen Highlights – im Internet aufzubauen. Die Zielstellung lautete ganz klar: Ich möchte der größte deutsche Genussanbieter werden! Mit der Zeit relativierte sich diese Zielstellung und der Wein kristallisierte sich als Hauptthemenfeld heraus. Die ersten Schritte: 4. Wo entstand die Firma? Und mit wie vielen Mitarbeiter bis Du gestartet? Die Urzelle der Firma entstand in Delitzsch im Ortsteil Beerendorf. Während ich noch bei der Bank arbeitete, ging 1997 weinbestellung.de als Vorläufer von ebrosia.de online. Meine Garage war damals mein Weinlager (lacht). Ich fuhr mein Auto heraus und die Weinkisten hinein. Über der Garage stand in großen Buchstaben „Weinhaus Beerendorf“. Man konnte entweder im Internet bestellen oder immer freitags zwischen 18 und 20 Uhr direkt an meiner Garage Wein kaufen. Zu dieser Zeit hatte ich noch keine Angestellten – ich hab alles allein gemacht. Sogar den Transport! Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit meinem überladenen, alten Renault damals aus Belgien Wein geholt habe (lacht). Erst im Jahr 2000 – als ebrosia online ging – stellte ich zwei Mitarbeiter ein. 5. Nenne 5 Adjektive, die die Firma von Anfang an beschreiben. innovativ schnell kundenorientiert freundliche preiswert Rüdiger Kleinke 6. Wie entstand der Name ebrosia? Und was bedeutet er? Die Erklärung einfach: Der Name ist eine Kombination aus Ambrosia (Speise der Götter) und dem vorangestellten „e“ für E-Commerce (elektronischer Handel). 7. Was war die größte Niederlage in der Anfangszeit? Die größte Niederlage (überlegt) … war unsere Eröffnungsfeier im Jahr 2000. Es sollte eine riesengroße Festveranstaltung für 150 Journalisten und Pressevertreter werden. Die Feier fand in Rüdesheim am Rhein auf dem Weingut Georg Breuer statt. Meterlange Tafeln voll köstlichster Speisen wurden aufgebaut. Die tollsten Weine wurden geöffnet. Eigens beschäftige Kellner waren vor Ort und sogar eine Big Band spielte. Doch es kamen insgesamt nur drei Pressvertreter. Die riesengroße Feier, die der kraftvolle Startschuss für ebrosia sein sollte, wurde lediglich in zwei kleinen Randartikeln beiläufig in der Presse erwähnt. Der Fehler lag rückblickend bei dem Eventmanager, der zwar die Veranstaltung durchgeplant hatte, jedoch unfähig war, die betreffenden Pressemenschen richtig einzuladen. Wir haben dafür rund 40.000 D-Mark in den Sand gesetzt. Das hat in der Anfangszeit sehr geschmerzt. 8. Was war der größte Erfolg der Anfangszeit? Der größte Erfolg war die tolle Zusammenarbeit mit DER ZEIT. Ich weiß noch, wie ich persönlich in der Redaktion angerufen habe und ganz direkt gefragt habe, ob man eine gemeinsame Kooperation umsetzen könnte. Die Chemie hat gestimmt und wir haben bis 2009 Anzeigen in DER ZEIT im Rahmen einer Kooperation geschaltet. Die Entwicklung und Entfaltung: 9. Was sind für Dich rückblickend die wichtigsten Meilensteine in 15 Jahren ebrosia? 1. Meilenstein: 2000 - Relaunch von ebrosia mit neuem (und damals topmodernem) Shop-System 2. Meilenstein: 2001 - der erste Katalog 3. Meilenstein: 2003 - die ersten Mailings mit großen Produktbildern und das damit verbundenen fulminante Feedback und einen einsetzenden Schub 4. Meilenstein: 2005 – Relaunch vom neuen (noch leistungsfähigeren) ebrosia-Shop-System 5. Meilenstein: 2009 – durch das topmoderne Logistikzentrum mit Hochregalen und exaktem Ortungssystem entsteht ein riesengroßer Schub in der Bearbeitung 10. Welche Firmenphilosophie hat sich über die Jahre herauskristallisiert? Unsere ganz klare Philosophie lautet: Wir wollen unsere Kunden glücklich machen! Mein Leitsatz lautet immer: Wir versenden keinen Wein, wir versenden Glück! 11. Wie hast Du dieses tolle Netzwerk an internationalen Winzern und Weingütern aufgebaut? Schritt für Schritt (lacht). Nein, ganz im Ernst: Ich habe über viele Jahre Stück für Stück mein Netzwerk aufgebaut. Die ersten Kontakte habe ich fast immer auf Messen geschlossen und sie dann kontinuierlich gepflegt. Für mich ist es wichtig, dass die Chemie stimmt, denn dann kann man gemeinsam arbeiten sich gegenseitig weiterbringen. 12. Die Zeit als Lehrmeister – Würdest Du alles wieder genauso machen, wenn Du mit der Firma heute wieder am Anfang stehen würdest? (Lacht) Ich würde fast alles anders machen. Im Laufe der Zeit musste ich sehr viel Lehrgeld zahlen und habe erkannt, worauf es wirklich ankommt. Ganz wichtig ist, ganz genau auf Prozesse und Prozessdetails zu achten. Damit meine ich: die Werbung, die Auftragsannahme, die Logistik, die Retoure, den Geldeingang etc. Erst wenn diese ganzen Prozesse sauber und reibungslos funktionieren, dann funktioniert auch die Firma. Hier und jetzt: 13. Hast Du nach 15 Jahren ebrosia heute Dein Ziel (das Du Dir am Anfang gesetzt hast) erreicht? Nein (grinst). Mein höchstes Ziel ist es, mich selbst entbehrlich zu machen. Das bedeutet, dass ich beispielsweise auch mal spontan vier Wochen der Firma fern bleiben kann und sie trotzdem wie ein Uhrwerk weiterläuft. 14. Worauf bist Du heute am meisten stolz? Auf meine Mitarbeiter. Unsere Betriebsklima ist sehr gut. Probleme werden miteinander besprochen, Ziele gemeinsam verfolgt und die Arbeit macht Spaß. Man geht einfach gern auf Arbeit. 15. Wie groß ist das Unternehmen heute? (Mitarbeiter, Kunden, Lagerkapazität, Tagesbestellmenge, Jahresumsatz) Es sind 25 Mitarbeiter beschäftigt. Wir haben zurzeit 120.000 Kunden. Die Lagerkapazität beträgt 500.000 Flaschen. Wir führen momentan 350 verschiedene Weine und die Tagesbestellmenge beträgt 700 Pakete. 16. Ein Mann, zwei Gesichter – Siehst Du Dich eher als Weinhändler oder Sommelier? (Wie viel Prozent Weinhändler, wie viel Prozent Sommelier?) Ich sehe mich selbst zu 40 % als Sommelier und zu 60 % als Weinhändler. 17. Die meisten Menschen denken, als Sommelier führt man ein leichtes und genussreiches Leben, das nur von Vergnügen geprägt ist. Stimmt das? Die Arbeit als Sommelier ist zu 90 % harte Arbeit. Es verlangt eine ungemein hohe Konzentration bei einer Verkostung von 40 Weinen stets alle Sinne zu sensibilisieren. Und solche Verkostungen finden regelmäßig statt – nicht nur einmal im halben Jahr am Kamin bei romantischer Stimmung (lacht). Zudem muss man bei der Vielzahl der Verkostungen auch auf seine körperliche Linie achten und sich zusätzlich sportlich engagieren. 18. Beschreibe Deinen Traumwein! – Hast Du ihn schon gefunden? Mein Traumwein ist ein Bordeaux mit einem wundervollen Duft. Mit jedem Schluck schmeckt er anders und neu. Er sollten unbedingt Fruchtaromen, Röstaromen, Vanille- und Gewürznoten besitzen. Außerdem soll er lange im Mund bleiben. Ich bin noch immer auf der Suche nach dieser Perle. 19. Wo kaufst Du Wein ein und wie oft? Nur bei ebrosia. Die Zukunft: 20. Wie geht es weiter? Welche Weiterentwicklungen, neuen Ideen und Innovationen sind geplant? In naher Zukunft soll das Shop-System umgestellt werden, um noch mehr Leistung abzurufen. Zudem sollen weitere Geschäftsfelder hinzukommen. Und ebrosia soll international werden. Bestellungen aus Amerika gibt es zwar schon, aber wir wollen den ganzen Globus erreichen. 21. Rüdiger Kleinke privat: Was möchtest Du (außerhalb von ebrosia) in Deinem Leben unbedingt noch machen? Mein Traum ist es, mich mit 55 Jahren – wenn ebrosia eigenständig läuft – von der täglichen Arbeit zurückzuziehen. Ich würde dann gern in den afrikanischen Busch gehen, um dort entweder ein Wasserwerk oder eine Schule zu bauen, um den Menschen zu helfen. 22. Ergänzende Frage: Und was sollte man als Weinliebhaber unbedingt einmal im Leben gemacht haben? Ich würde jedem Weinliebhaber eine Vertikalverkostung von einem der großen Chateaus empfehlen. Durch die Verkostung der verschiedenen Jahrgänge eines Weins (oftmals vom jüngsten zum ältesten Wein) wird die individuelle Handschrift des Weinguts über die Jahre hinweg sehr gut erkennbar. Das ist extrem faszinierend!
Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.